Das Einpflanzen des Garten Eden
Die Leere ist Erinnerung an etwas,
was sein könnte oder der Wunsch ihrer Erfüllung.
Das Vorhandensein einer Abwesenheit,
bunt und breit.
Das Nichts ist düster, von der Größe her ungewiß,
eine Einladung, es zu bewohnen.
Die Null ist die Mitte der Waage,
der Minus- und Plus-Räume.
Ein Anfang, der immer da war,
und ein Ende, nur falls es akzeptiert wird.
Das Kind legt einen Kirschkern
zu jeder Rose, legt die ganze Kirsche
zu der Rosenbeere mit den Samen -
dann gießt es sie.
Wie schön ist dieser Kupferbehälter
zum Füllen,
und auch diese Luft, und diese Erde
in den Comenius-Gärten.
Konzert
Wasser. Atem holen. Kann nicht geholt werden.
Hauch, Wellen, Violine.
Klänge. Können nicht getrunken und geatmet werden.
Kleben im Haar. Tiefe Männerstimme.
Provokation, die Erinnerung an die Bretagne,
wo ich nie war.
Tropfen auf den Schultern zweier Frauen, Wasser,
ihre Haut, Babyhaut, Greisinnenhaut,
weibliche Haut. Du solltest in mir sein.
Die Sehnsucht nach der Küste der Bretagne,
wo sie diese Musik schrieb, der Sand und du in mir,
deine Lieder in meinem Haar, fließt in die Augen über,
Klänge wie die der Mutter, der Großmutter, Sehnsucht –
eine banale Verflechtung aus Geige und Gewebtem,
ein Webstuhl aus Saiten, schwebt über dem Wasser der Bretagne,
dort, auf der Grenze zwischen Wasser und Nebel,
ist jeder Zufall ausgeschlossen. Wie damals,
als ich dort war – ein Kind mit einer Violine,
ich konnte spielen und malen.
Deine Augen waren voller Klänge.
Sie spielt Violine, und ich erinnere mich
an die Bretagne, wo ich nie war.
Ihr Kleid ist weiß und silbern.
Die Menschen klatschen.

Eine Hand voll Wasser
Die Sprache ist wie Wasser.
Beim Halten verliert man sie,
im Fließen hat sie Bestand.
deutsche Gedichte
26. Lyrikband der Zeitzeichen-Reihe
herausgegeben von Paul Alfred Kleinert
Aschersleben: Unartig Verlag, 2008
Mit einem Autorenporträt von Lothar Deus
Gedichte aus diesem Band inspirierten die Graffiti-Aktion Taufe von Atem, Gedichte aus der Spraydose Wettbewerb in Berlin im Juli 2008 und das kammermusikalische Stück Waldquelle von Wladimir Iliew, Konzert im Wassertum Halle, Oktober 2008






